Sabrina muss heute Vormittag telefonieren, also schnappe ich mir die Kinder und fahre los – unter deutlichem Protest, irgendwohin, irgendetwas ansehen. Wir steuern Richtung Süden, Richtung Blåvand. Dort soll ein schöner Leuchtturm stehen. Kurz vor der Abfahrt verpasse ich die Ausfahrt, und wir landen auf einem Umweg.
Der Umweg entpuppt sich als Glücksfall: Wir kommen direkt an Tirpitz vorbei, einer Bunkeranlage aus dem Zweiten Weltkrieg. Ich will eigentlich nur kurz von oben draufschauen, doch die beiden Jüngsten wollen unbedingt hinein und sich alles genau ansehen. Für sie ist der Eintritt frei, also zögern wir nicht lange und gehen rein.

Zwischen den Betonwänden holt mich ein Flashback ein, zurück an unseren Urlaub in der Normandie. Unglaublich, was unsere deutschen Vorfahren hier angerichtet haben. Die ganze dänische Westküste ist durchzogen von Bunkern. Menschen wurden versklavt, um sie zu bauen, für einen Krieg, den andere führten. Es macht mich unheimlich traurig. Sogar die Kinder merken, dass hier etwas Schweres in der Luft liegt.

Auf dem Rückweg fällt den Kindern etwas anderes auf: In unserem kleinen Ferienort hängen vermutlich mehr dänische Flaggen als deutsche in ganz Deutschland. Ich muss ihnen recht geben. Zur deutschen Flagge habe ich ein kompliziertes Verhältnis, und dieser Nachmittag macht mir wieder bewusst, warum.

Am Ende bleibt es trotzdem ein guter Tag. Zwei der drei Kinder finden den Ausflug spannend, der Älteste ist vom Leuchtturm begeistert – und von der Cola aus dem nahegelegenen Supermarkt sowieso, die wir unter dem Leuchtturm trinken.

Merke: Manchmal ist der verpasste Abzweig der bessere Weg.


