Ich will mal wieder wandern, am Strand entlang, allein wenn's sein muss. Die anderen lassen sich nicht begeistern. Selbst Ivy bevorzugt heute ihr Plätzchen auf dem Sofa. Also fährt mich Sabrina nach Blåvand, ich schultere den Rucksack und mache mich auf den Weg Richtung Leuchtturm.
Der Leuchtturm ist der erste Höhepunkt des Abends. Er markiert nicht nur den westlichsten Punkt Dänemarks, sondern auch den nördlichsten Punkt des Wattenmeers. Es ist kurz vor 20 Uhr, die Sonne steht tief, und das Gegenlicht macht aus dem Turm eine Silhouette. Von der anderen Seite betrachtet leuchtet er im warmen Abendlicht – zwei völlig verschiedene Bilder, ein paar Schritte auseinander.

Vom Leuchtturm geht es runter an den Strand, erst kurz nach Süden, dann drehe ich um und laufe die ganze Strecke nach Norden Richtung Vejers. Insgesamt kommen so 4 bis 5 Kilometer im Süden und weitere 8 bis 9 Kilometer am Strand nach Norden zusammen.
Gleich zu Beginn liegen sie da: riesige Quallen, größer als alles, was ich bisher gesehen habe. Sie sehen gefährlich aus, richtige Monster. Was für eine Art das genau ist, weiß ich nicht – aber ich bin froh, dass sie am Strand liegen und mir nicht beim Schwimmen begegnen.

Am Strand entlang stehen im Abstand von etwa 200 Metern die Bunkeranlagen, einer nach dem anderen. Immer wieder erschreckend, wie dicht sie hier aufgereiht liegen.

Etwas später färbt sich das Meer orange bis gelb, oder umgekehrt, so genau lässt sich das kaum sagen. Die Sonne geht unter, verschwindet aber schon bald hinter einer Wolkendecke und zeigt sich danach kaum noch.

Ich genieße das Rauschen des Meeres, die Wellen, den festen Sand unter den Füßen. Nur die Laufschuhe waren keine gute Wahl für diesen Abend – sie lassen so viel Sand durch, dass es irgendwann einfach reicht.
Die Dämmerung bricht ein, und am Horizont tauchen die Lichter von Autos am Strand auf. Ein gutes Zeichen: nicht mehr weit. Komoot sagt mir, dass noch 4 Kilometer vor mir liegen, und behält recht – die Lichter wirken zwar hell, doch der Weg dorthin zieht sich. Am Ende des Strandabschnitts mit den Autos liegen noch einmal 1,6 Kilometer vor mir, dann ein letzter Kilometer nach Hause.

Um 22:15 Uhr bin ich zurück im Ferienhaus, müde und zufrieden. Ob ich morgen noch eine Wanderung dranhänge – ich hatte mir 20 Kilometer vorgenommen –, steht in den Sternen.
Merke: Wer am Strand allein losgeht, kommt selten allein mit einer Geschichte zurück.





































